Heidrun
Widmoser gehört zu den wenigen zeitgenössischen Künstlerinnen , die
eine bestimmte realistische Tradition wieder aufgegriffen haben ,
die etwa Fotomalerei zu nennnen ist . Ausgangspunkt sind eilig geknipste
Aufnahmen gewöhnlicher Dinge , Normalfotos von Ansammlungen beliebiger
häuslicher Objekte kurz vor oder nach ihrem Gebrauch im Alltag : eine
Zigarettenschachtel hinter einem fast leeren Weinglas ; verschiedenen
Marken von Putzmittel ; ein Teekessel , eine Zuckerschale , beide
unscharf ; eine Topfpflanze ; ein Gals Wasser etc. Ohne weiteres läßt
sich behaupten , daß diese Fotos ( im Gegensatz zu künstlerische Fotografie
, die kontextgebunden und nicht denotativ ist ) sich einem ideelen
ästhetischen Nullpunkt nähern . Daß jede dieser Ansichten eine Art
visuellen Mehrwert birgt , der umso bedeutender zu werden scheint
, je unverrätselter und anspruchsloser Ausschnitt und Objekt ihrer
Auswahl wirken , liegt somit an einer summarischen Komponente . Ein
Motiv steht für die ausgesparte Überfülle anderer gleichwertiger Motive.
Das hierfürFotografien die Grundlage bilden , die dem Motiv nach als
unverdächtige Stilleben auftreten , ist von der Künstlerin sowohl
ironisch als auch reflexiv - nun , ein der Optik entliehener Terminus
- intentiert . Reflexiev ist diese Arbeit in dem Sinne , als hier
deutlich wird , daß schon längst eine " zweite Wirklichkeit " der
Bilder unser Verhältnis zur Natur bestimmt , sich die sogenannte Realität
zunehmend als mediale Konstruktion erweist. Das diese ( sogar ziemlich
privat scheinende ) vermittelte Natur in gradezu klassischen Stilleben
und in " Öl auf Leinen " auftaucht ist jener Haltung leiser Ironie
zuzurechnen , die für die Persönlichkeit der Künstlerin charakteristisch
ist . Ich fasse als Bonus dei beträchtliche Qualität der Malerei von
Heidrun Widmoser auf , abseits absoluter Bildformulierungen jener
Stelle einzunehmen an der sich der Unterschied zwischen realistisch
( bezüglich fotografischer Mimesis ) und abstrakt ( in der Eigenweltlichkeit
der Darstellungsweise ) in fließendem Verlauf verwischt .
Georg
Janik , 1997
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